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Urlaubserinnerung Andijk 2006


Es ist schon wieder eine gewisse Zeit her, zwei Wochen - für den ferienhabenden Schüler, der nur noch in der Maßeinheit Ferien misst, ein ganzes Drittel der Ferien, eine halbe Ewigkeit, wenn man so will -, dass ich meinen Urlaub in Noordholland verlebt habe.
In meiner letzten Inskription kann der geneigte Leser die Randbedingungen dieser kleinen Reise nachlesen; kurz gesagt waren wir eigentlich vier Menschen, die kaum unterschiedlicher sein könnten und an deren gemeinsamem Urlaub mindestens ein kichernder griechischer Gott mitgewirkt hat.

Ich will nicht mit allzu viel lästigem Geplänkel langweilen, ich beginne deshalb am besten an dem Punkt, wo wir gemeinsam im Auto saßen und uns Richtung Urlaub... nunja, genau genommen ersteinmal Richtung Aldi bewegten. Der Einkauf war recht schnell gemacht und ich trug eigentlich nichts mehr als unkonstruktive Störungen bei, so zum Beispiel den Kauf von Lachs oder das Plädoyer für die Dringlichkeit der Wahl des Deluxe-Toilettenpapiers. Diese generelle soziale Unkonstruktivität habe ich mir auch recht gut über den Urlaub bewahrt, man könnte sie fast charakteristisch nennen.
Der Weg war recht problemlos und wir kamen recht bald in Amsterdam an, wo ich die Gruppe zielsicher auf einem gigantischen Umweg zu dem Krautkrämer führte, zu dem ich wollte.
Ich hatte die Woche vorher genug Zeit gehabt, mich ausreichend zu informieren und hatte mir das Grey Area ausgesucht. Es lag recht zentral und wir fanden es gut, nachdem wir uns ein Parkticket in der Innenstadt für eine halbe Stunde gegönnt hatten, was den unbedeutenden Betrag von 4,40€ kostete.
Ich ging alleine in den Laden und erwarb drei Gramm von den teuersten Rauschmitteln, die es so gab und verließ den Laden sogar, ohne meinen Ausweis gezeigt zu haben.

Wir setzten unseren Weg Richtung Noordholland fort, nachdem wir uns mit der Amsterdamer Straßenführung etwa eine Stunde fahrend auseinander gesetzt und schließlich überworfen hatten. Diese Stadt ist ein Straßenverkehrsirrenhaus erster Güte, das muss ich wirklich nicht noch einmal haben.
Der Rest der Anreise war problemlos, wir kamen an, die Damen an der Rezeption sprachen Deutsch und wir machten uns zu unserem Bungalow auf.

Ich dachte zuerst, das, wovor wir standen, sei das zum Haus zugehörige Klohäuschen. Aus diesem Gedankengang entwickelte ich dann auch den liebevollen Namen "Wohnklo" für dieses Domizil, der im Folgenden auch Verwendung finden wird.
Ein weisser Plastikblechcontainer, nicht besonders sauber und nicht gerade groß, genau zwischen zwei identisch aussehenden Containern stehend. Ein Traum. Sehr schön. Ludi incipiant, mögen die Spiele beginnen!

Was soll man für etwa 60€ pro Person erwarten? Innen sah das Wohnklo auch gar nicht so schlecht aus. Wir richteten uns provisorisch ein, stellten fest, dass die Dusche bei Benutzung das Badezimmer zu fluten vermochte und fingen an, Alkohol und Drogen zu konsumieren.
In der Hitze Noordhollands an einem Plastiktisch zwischen zwei Wohnklos zu sitzen, eiskaltes Bier zu trinken und Rauschmittel zu rauchen ist ein adorabel desolates Gefühl. Ein Gefühl nach Ferien. Noch den Dávila zur Hand genommen und ich hatte die perfekte Synthese zwischen Drogenexzess, Kulturgenuss und Nichtstun erreicht. Anbetungswürdig. Grandios.
Dazu kam, dass ich relativ schnell erreichte, dass mir die Dame K. immer Bier holen musste. Es war ein faires Arrangement, dafür wärmte ich ihr am ersten Abend die Füße.
Dieser Zeitvertrag entwickelte sich schnell weiter und ehe ich mich so recht versehen hatte, massierten wir uns gegenseitig.
Wenn man so will, hat sie den Verlauf des letzten Abends geradezu heraus gefordert, aber dazu später.

Die Tage verliefen uniform: Ich stand konsequent als Letzter auf, was, nebenbei gesagt, auch sehr gut so war, denn das Gefühl, morgens neben dem Knecht Karl, mit dem ich mir ein Doppelbett teilen musste, aufzuwachen, ist nach wie vor kein Gedanke, dem ich sehr zugeneigt wäre. Ich frühstückte, nörgelte, dass ich noch nicht Bier trinken konnte, da sich die Marozia weigerte, mit meinem Auto zu fahren, und fuhr die Gemeinschaft erst zum Einkaufen und dann zum Strand. Ab dem zweiten Tag stellte ich das Gesindel vor die Wahl, entweder Marozia zu zwingen, das Fahren vom Strand zurück zu übernehmen oder damit zu leben, dass ich am Strand ein paar Bier trank.
Die Strecke war so gerade wie von einer metaarchitektonischen Hand in die Landschaft gezogen und ein Blinder hätte sie problemlos fahren können. Es traten auch erwartungsgemäß keine Probleme auf. Erst wenn wir am späten Nachmittag vom Strand wiedergekommen waren, konnte ich in voller Bandbreite meiner drogengestützen Selbstzerstörung fröhnen. Das ganze wurde garniert von der Freizeitkleidung, die Marozia des Abends nach dem Duschen anzog. Ich denke, ich habe erwähnt, dass diese Frau den großartigsten Hintern hat, den ich je gesehen habe. Nunja, dieser vielmehr Fetzen Stoff ist mit anbetungswürdig lasziv sehr wohlwollend umschrieben, was die Aussichten sehr großartig machte. Dass die von ihr getragene Bademode dieser Kleidung in nichts nachstand, war nicht anders denkbar und sehr dankbar. Allerdings ist die Funktion der Marozia in diesem Urlaub damit auch recht umfassend beschrieben.

Wir hatten also unseren Spaß und wollten es am letzten Abend noch einmal richtig krachen lassen. Wir kauften uns, Marozia ausgenommen, jeder einen Träger Grolsch, der sechs Dosen zu je einem halben Liter enthält, und hatten auch noch den Vodka, den ich zu Ferienbeginn eigentlich für Marozia auf Grund deren Abneigung gegen Bier gekauft hatte, den sie aber nicht wirklich dezimiert hatte. Und die Rauschmittel mussten schließlich auch weg, daran, sie wieder mitzunehmen, war nicht zu denken.
Wir legten uns mächtig ins Zeug, gegen sechs waren die Drogen leer, gegen halb neun hatten wir das Bier hinter uns, und knapp um elf war auch der Vodka überwunden.
Im Endeffekt hing Karl auf einem der beiden Sofas im Wohnzimmer und ich saß auf der Dame S., die ihren BH geöffnet hatte und auf dem Bauch lag, damit ich sie massieren konnte. Ich versuchte unauffällig Karl begreiflich zu machen, dass er sich gefälligst ins Bett begeben sollte, aber es dauerte geschlagene zwanzig Minuten, bis er mein nonverbales Flehen richtig auffasste und den Raum verließ.
Da war ich nun und konnt' nicht anders. Ich massierte hingebungsvoll und ließ meine Hände immer weiter in die Richtung ihrer Brüste gleiten, bis ich irgendwann feststellte, dass sie eingeschlafen war. Ich blieb noch ein paar Minuten an meinem Platz, um sie nicht zu stören, doch irgendwann erwachte sie.
Sie zog sich wieder an und wir kuschelten. Eine alte und schöne Romantik lag in der Luft und das merkte sie auch. Sie sagte, dass sie einen Freund habe und ich erwiderte, dass ich sie nicht in ihrer Entscheidung beeinflussen würde. Schließlich küsste ich sie dann einfach. An jenem Tag gingen wir dann recht bald schlafen, aber das Spiel war eröffnet.

Am nächsten Tag kam dann das böse Erwachen. Halb acht, anziehen, aufräumen, undefinierbaren Pamps in den Mund schaufeln, das Auto beladen und los.
Ich danke meiner eigenen Genialität, eine derart dunkele Sonnenbrille gekauft zu haben, ansonsten wäre es unerträglich gewesen. Derart präperiert stieß ich dann auf den holländischen Verkehr. Überall 120 oder 100, schiebender Automassen und als Kirsche auf dem Haufen Scheisse eine falsche Autobahnbeschilderung, die uns erst einmal 50km Richtung Groningen, also genau in die Gegenrichtung schickte. Wäre mir nicht irgendwann aufgefallen, dass Amsterdam nicht mehr auf den Schildern und das Meer auf der falschen Seite war, wären wir vermutlich bis Groningen durchgefahren. Etwa 60km vor Hengelo schließlich bekam ich das absolute Tagestief.
Es traf mich wie ein riesiger Hammer am Kopf und muss auch meine Tanknadel erwischt haben, denn sie strebte fröhlich in den roten Bereich.
Das ist eine dieser typischen Situationen, in denen man einen ziemlich gesunden Welthass entwickelt, denn ich fuhr und fuhr und die Distanz nach Hengelo wurde nicht kürzer, eine Tankstelle tauchte selbstverständlich auch nicht auf. Ich habe in diesen gefühlten drei Äonen mehr gelitten als in meinem ganzen Leben davor.
Dazu kam, dass sich der Rest der Reisegesellschaft gar nicht so recht für meine depressive Stimmung begeistern wollte. Schließlich kam Hengelo. Bald kam auch Enschede. Wir ließen die deutsche Grenze hinter uns und ich dachte, dass doch bald hinter der Grenze bald eine Tankstelle sein müsste, aber, um es mit meinem werten Bruder zu sagen: Trocken auf Kies gefurzt. Ich fuhr schon lange auf Reserve, bis ich mich schließlich in Ochtrup zum Verlassen der Landstraße entschloss.
Ich kann mich nicht erinnern, dass je zuvor eine schäbige frei Tankstelle sexuelle Erregung in mir hervorgerufen hätte. Ich tankte 30 Liter und fuhr die restliche Strecke nach Hause.

So endete die Reise zum Mittelpunkt von Noordholland schließlich in einer heissen Badewanne bei einem kalten Budweiser.
Irgendwie habe ich mich in diesen Urlaub verliebt...

24.7.06 21:14
 


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