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Wie eine Oper zur Nebensache wurde


Im Folgenden will ich eine kleine Episode erzählen, die noch gar nicht so lange her ist.
Es sollte im Zuge der musikalisch-kulturellen Weiterbildung mit dem Musikkurs ein Opernbesuch in Essen stattfinden, Die Hochzeit des Figaro, im Aaltotheater aufgeführt. Ich nahm mir ein bisschen Volk aus meinem Kurs, unter anderem den ennuyanten Knecht Karl, der sich häufig an meine Fersen heftet mit dem scheinbar einzigen Ziel, mich zu Tode zu langweilen - er ist zwar herzensgut und ein passabler Musikus, aber sein Leben kann sich von der Ereignisreiche mit der eines durchschnittlichen Schwarzbrots messen -, und bildete eine Fahrgemeinschaft.
Mein Auto, meine Regeln. Ganz meine Welt also.

Wie es das Schicksal so wollte, stieß ich bei einer Internetrecherche auf die Caspar David Friedrich Ausstellung im Folkwangmuseum Essen.
Nun, wer meine Über mich-Seite halbwegs ausführlich studiert hat - nun gut, es prangt eines seiner besten Bilder darüber -, dem ist aufgefallen, dass ich einausgesprochener Liebhaber von Friedrich bin.
(Und zwar ausdrücklich, sowas muss man heut zutage schon separat betonen, schon sehr lange, auf jeden Fall lange bevor bekannte Zeitungen und Kritiker diesen Künstler wiederentdeckten.)
Die Sache war klar, da musste ich hin. Und es war mir unsagbar gleichgültig, was das Gesindel wollte, dass ich mir in mein Auto geladen hatte.
Ich klärte sie darüber auf, dass wir drei Stunden früher fahren und in eine Friedrich-Ausstellung gehen würden.
Der klügste der drei, der Freiherr von S., ein bescheidener und sehr tiefgründiger Mensch, desses Charakter hauptsächlich durch seinen falschen Umgang leidet und der deswegen und wegen seiner abseitigen Wohnlage keine große Rolle in meinem Leben spielt, erklärte sich sofort dazu bereit; die anderen beiden waren sich noch unschlüsig.

Am Tag der Ankunft teilten diese beiden mir mit, die 7 Euro Eintritt seien ihnen zu viel; beachtenswerterweise hatten sie sich gerade mit Dönerabfall für fast fünf Euro vollgestopft, nur um einmal die Maßstäbe klar werden zu lassen. Man sollte Menschen nicht zu ihrem Glück zwingen, ich weiss, aber ein solch degoutantes Verhalten ist mir selten vorgekommen. Und man darf mir glauben, dass ich mit allen Mitteln versucht habe, in ihre beschränkten Hirne die kulturelle Bedeutung von Caspar David Friedrich einzuprügeln. Ich habe versagt, ich muss es zugeben, aber ich versäumte nicht, ihnen später bei jeder Gelegenheit ihre Verfehlung aufzutischen.

Nunja, genug von meinem Versagen, kulturelle Faszination zu vermitteln. Springen wir bis zu dem Punkt, als der Freiherr und ich die Ausstellung betreten.
Als aller erstes fällt die schlechte Beschilderung ins Auge;
wo es zur Ausstellung geht, bleibt der Phantasie der Besucher überlassen und auch der direkt neben dem Ausgang liegende Eingang ist nicht als solcher gekennzeichnet.
Ist man aber ersteinmal in der Ausstellung, sind solche Probleme ein wahrlich blasser Schimmer im Hinterkopf.
Sie beginnt mit einem chronologischen Lebenslauf, der eine zehn Meter lange Wand einnimmt und gut im Stil einer Zeitleiste visualisiert ist; danach folgt man einem direkten Weg, der einen an Ölgemälden, Sepias und Zeichnungen, einiger Portraits von Friedrich, teilweise von ihm selbst, teilweise von Malerfreunden wie von Kügelgen, sowie einer Büste seines Kopfes - wenn ich mich richtig erinnere von Kersting - vorbeiführt. Es existieren vergleichsweise viele Zeichnungen und Skizzen von Friedrich, da er erst 1807 mit der Ölmalerei anfängt, einige sehr aussagekräftig, andere teilweise Objektstudien.
Zweifelsfrei sind Friedrichs Ölbilder die Krone seiner Schöpfung und das Folkwangmuseum hat fast alle Wichtigen für diese Ausstellung zusammen getragen:
Sehr bekannte Bilder wie die Kreidefelsen, Lebensstufen, Zwei Männer in Betrachtung des Mondes, Mönch am Meer, Der einsame Baum, Das Kreuz im Gebirge, um das seinerzeit ein großer Kritikerstreit entbrannte, und Der Wanderer über dem Nebelmeer stehen neben weniger bekannten aber ebenfalls sehr grandiosen Werken wie z.B. Dämmerung, Arcona bei Mondlicht oder Seestück im Mondschein.
Selbstverständlich reicht der Platz nicht, um alle Bilder aufzuzählen - ich muss zugeben, dass ich mich auch nicht mehr an jedes einzelne erinnere -, aber die einzigen beiden, die ich wirklich vermisst habe, sind das famose Bild Abend, sowie Zerfallene Mauer.
Abgesehen von den störenden Führungen, die im Prinzip omnipräsent sind, ist diese Ausstellung damit extrem empfehlenswert.
Was für ein Gefühl es ist, vor dem Wanderer über dem Nebelmeer zu stehen! Eine Mischung aus allesumfassender Einsamkeit und unbändiger Freiheit. Einfach nur beeindruckend.

Abschließend kann man sagen, dass diese Ausstellung ein echtes Erlebnis ist. Man sollte sich allerdings vorher ein bisschen mit dem Maler beschäftigen, dann versteht man wesendlich mehr und ist gleich doppelt beeindruckt.
Ich denke, jeder kann sich vorstellen, wie sehr bei einem derart grandiosen Erlebnis die Oper in den Hintergrund rückte?
17.6.06 17:43
 


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