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   Blog v. Jean aka Anaka



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Die Reise zum Mittelpunkt der Welt


Das Wochenende ist ereignisreich gewesen, soviel steht fest.
Es begann Freitag mit dem Geburtstag einer Freundin; ich lasse sie ersteinmal unbenannt, aber so, wie sich die Dinge entwickeln, werde ich wohl bald einen Namen für sie erdenken müssen.
Wir fanden uns in der Periphärie der Stadt ein, auf einer Wiese in einem Neubaugebiet. Wie französische Gärten, die Natur widersinnig in genaue Bahnen gepfercht, alles wohl durchdacht, alles von dem Geist des Vorstadt-Familientraums beseelt; der Drang nach Individualität erbricht sich in Reihenhäusern, die alle nach dem selben individualistischen Stil gebaut sind, eines das genaue Abbild des anderen und sie alle gemeinsam die Perversion ihrer Idee.
Es ist die Ausgeburt der Superbia dieser Menschen, es ist die Todsünde Hochmut; sie ist ein langsames Gift, ja fast wie schwerer Wein, sie verschafft einen dümmlichen Rausch von Befriedigung, bevor sie tötet. Und viele sterben an anderem, bevor sie daran zu Grunde gehen.
Ja, es ist wie lieblicher, schwerer Wein...

Die Feier war alles in allem leichte Unterhaltung und ich setzte mich mit dem Marquis de F. ab, als sich die Gesellschaft um die zweite Stunde auflöste und das ordinäre Volk in seine Ritzen zurück kroch.
Wir begaben uns zu meinem Haus und setzten uns ins Séparée, wo wir den letzten Abend, der uns für die nächsten sechs Wochen ob einer Studienreise des Marquis in das Land, wo Fish&Chips blühen, blieb, unter Rauschmittelkonsum ausklingen ließen.

Zweite Station war dann gestern die Reise zu meiner Tante, die ihren fünfzigsten Geburtstag begießen wollte.
Die Ankunft war mit der wiederholten Erkenntnis verbunden, dass meine Verwandten langweilig sind und meine Tante so derartig egozentrisch, dass sie sich für den Mittelpunkt der Welt halten muss. Mir selbst sind Arroganz und Egozentrik keine Fremdwörter, aber ich habe noch nie einen in der Form so vollendeten Narziss gesehen.
Jeder lässt seinen kleinen Kosmos irgendwie um sich rotieren, aber diese Erfahrung war die Reise zum definitiv fixesten Mittelpunkt einer Welt, den es gibt.
Diese Frau hat Selbstkritik lange überwunden.
Ich fand die Feier fürchterlich; ein ewiger Gratwandel zwischen Egomanen und Langweilern. Einige schafften es sogar, beide Charakterzüge in sich zu vereinen. Glückwunsch von der Direktion.
Als logische Konsequenz aus dem personellen Aufgebot suchte ich mir einen kuscheligen Liegestuhl, weihte ihn zu meinem Thron und ließ mich darauf nieder. Ich nahm mir Rumo und die Wunder im Dunkeln von Moers zur Hand und entzog meinen Geist diesem Gesindel.

Womit ich es bis zu dem Buch geschafft habe, was den krönenden Abschluss meines Wochenendes beschlossen hat.
Walter Moers hat einmal mehr ganze Arbeit geleistet, als er zuerst "Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär" und kurz darauf "Rumo und die Wunder im Dunkeln" geschrieben hat.
Diese Bücher sind wirklich nicht für Kinderhände geschrieben - vor allem in letzterem geht es heftig zu -, es ist absolute Erwachsenenliteratur. Die Bücher stecken voller Anspielungen, sei es ein kleiner Wink, der vom Lügengladiator Nussram Fhakir zu Casanovas Flucht aus den Bleikammern deutet oder folgendes Bild:
Bild aus dem Buch
Ich bin einmal so frei und stelle das Original für alle, die es noch nicht erkannt haben, daneben:
Die Vorlage
Und das darf man ruhig als völlig willkürlich heraus gegriffene Exempel betrachten, diese Bücher sind zum Bersten mit solch subtilen Querverweisen gefüllt. Desweiteren ist Moers' Stil einfach genial, das Buch besitzt einen unglaublichen Suchtfaktor.
Jeder, der diese Empfehlung liest, sollte morgen schnell diese Bücher besorgen.

Damit sind wir dann an dem Punkt angelangt, an welchem ich diesen Eintrag abschließen möchte:
Die Besuchszahlen.
Heute null, gestern null. Es ist wirklich nicht schön.
Aber um es mit Dr. Calzo zu sagen:
"Life doesn't come easy. Get used to it."
Einige Menschen haben fast immer Recht.
Warum gehört Zach Braff eigentlich dazu?
11.6.06 23:07
 


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