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Wie weit geht Prägung?


Eine Frage, die mich schon lange Zeit beschäftigt, ist die, welchen Einfluss Prägung auf den späteren Menschen hat; im speziellen auf jene Prozesse, die eigentlich der Ratio unterliegen sollten.

Um es konkret zu beschreiben:
Der Marquis de F. und ich sind uns in der Sache zumeist einig, alleinig eine rudimentäre Divergenz trennt uns, unser Glaube.
Während ich Agnostiker bin, so ist er Gottgläubig, doch weniger als Christ, sondern mehr nach Dávila:
"An Gott zu glauben, heisst nicht an Gott zu glauben, sondern nicht nicht an Gott glauben zu können." (1)
Dennoch beschreibt er, was ich auch von vielen anderen Menschen nach einer gewissen Zeit der Unterhaltung erfahren habe, dass seine Sicherheit, Gott existiere, als Gefühl.
Zusätzlich behauptet er, dieser Glauben sei familiär verankert, er resultiere aus Prägung.

Die These, die ich dagegen stelle, ist jene, dass die Konstatierung und Akzeptation seines eigenen Glaubens ein Prozess ist, der vor dem persönlichen Gewissen von der eigenen Ratio entschieden wird.

Prägung bezeichnet die Formung einer Charaktreigenschaft in den früheren Lebensjahren durch seinen Umgang im Rahmen seiner genetischen Vorgaben.
Tatsächlich ist es zu beobachten, dass die Kinder von Religionsfanatikern durch die frühe Indoktrination ebenfalls fast alle stark gläubig werden.
Doch wie kann das zustande kommen? Wie kann ein bewusster Prozess durch die Präjustiz des Charakters, der ihn durchführt, derart verbogen werden?
Dass eine Diskussion über den persönlichen Glauben von Vorneherein fruchtlos ist, ist nur mehr als natürlich; hier kann mit gutem Gewissen die Grundlage Schopenhauers Eristischer Dialektik als gegeben angenommen werden. Doch diese Probleme stellen sich ob der Austragung vor seiner selbst gar nicht.

Offensichtlich scheint das im kindesalter implementierte und damit zur Zeit der Selbstreflexion schon vertraute Gefühl des Gottglaubens, ein Gefühl von Halt im Leben, ein Gefühl, den Tod nicht mehr fürchten zu müssen, den Träger in eine gewisse Abhängigkeit zu nehmen: Gefühle von Beruhigung und Glück machen süchtig.
Und bis der "Gefühlsträger" alt genug ist, um sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob sein Gottglauben begründet ist, ist diese bereits entschieden, da er nicht mehr in der Lage ist, ohne diese Quelle der Hoffnung in sich zu leben; er negiert einfachste Evidenzen, verschließt sich jeder Argumentation, um sein Gefühl zu behalten.
Nietzsche hat es erkannt, Religion ist das Opium des Volkes und dem Süchtigen geht die kritische Selbstbetrachtung verloren.

Wir sind und bleiben Opfer unserer Triebe.
Wie schwach der Verstand doch ist...

___________________________________________________________________
(1): Dávila, Nicolás Gómez: Auf verlorenem Posten
Wien: Karolinger, 1992
6.6.06 16:05
 


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