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Obticeotive Dialektik


Es scheint mir nötig, einmal meine Erfahrungen mit dem gescheiterten Konzept klassischer diskutativer Dialektik und meine daraus sich ergebenden Schlüsse zusammenzufassen.
Schopenhauer seinerzeit formulierte mit den Axiomen seiner eristischen Dialektik den Kern des Problems, einer Diskussion in dialoger Form:


Auszug aus dem Vorwort der eristischen Dialektik von Arthur Schopenhauer:

„Eristische Dialektik ist die Kunst zu disputieren, und zwar so zu disputieren, daß man Recht behält, also per fas et nefas.
Man kann nämlich in der Sache selbst objective Recht haben und doch in den Augen der Beisteher, ja bisweilen in seinen eignen, Unrecht behalten. Wann nämlich der Gegner meinen Beweis widerlegt, und dies als Widerlegung der Behauptung selbst gilt, für die es jedoch andre Beweise geben kann; in welchem Fall natürlich für den Gegner das Verhältnis umgekehrt ist: er behält Recht, bei objektivem Unrecht. Also die objektive Wahrheit eines Satzes und die Gültigkeit desselben in der Approbation der Streiter und Hörer sind zweierlei. (Auf letztere ist die Dialektik gerichtet.)

Woher kommt das? – Von der natürlichen Schlechtigkeit des menschlichen Geschlechts. Wäre diese nicht, wären wir von Grund aus ehrlich, so würden wir bei jeder Debatte bloß darauf ausgehn, die Wahrheit zu Tage zu fördern, ganz unbekümmert ob solche unsrer zuerst aufgestellten Meinung oder der des Andern gemäß ausfiele: dies würde gleichgültig, oder wenigstens ganz und gar Nebensache sein. Aber jetzt ist es Hauptsache. Die angeborne Eitelkeit, die besonders hinsichtlich der Verstandeskräfte reizbar ist, will nicht haben, daß was wir zuerst aufgestellt, sich als falsch und das des Gegners als Recht ergebe. Hienach hätte nun zwar bloß jeder sich zu bemühen, nicht anders als richtig zu urteilen: wozu er erst denken und nachher sprechen müßte. Aber zur angebornen Eitelkeit gesellt sich bei den Meisten Geschwätzigkeit und angeborne Unredlichkeit. Sie reden, ehe sie gedacht haben, und wenn sie auch hinterher merken, daß ihre Behauptung falsch ist und sie Unrecht haben; so soll es doch scheinen, als wäre es umgekehrt. Das Interesse für die Wahrheit, welches wohl meistens bei Aufstellung des vermeintlich wahren Satzes das einzige Motiv gewesen, weicht jetzt ganz dem Interesse der Eitelkeit: wahr soll falsch und falsch soll wahr scheinen.

Jedoch hat selbst diese Unredlichkeit, das Beharren bei einem Satz, der uns selbst schon falsch scheint, noch eine Entschuldigung: oft sind wir anfangs von der Wahrheit unsrer Behauptung fest überzeugt, aber das Argument des Gegners scheint jetzt sie umzustoßen; geben wir jetzt ihre Sache gleich auf, so finden wir oft hinterher, daß wir doch Recht haben: unser Beweis war falsch; aber es konnte für die Behauptung einen richtigen geben: das rettende Argument war uns nicht gleich beigefallen. Daher entsteht nun in uns die Maxime, selbst wann das Gegenargument richtig und schlagend scheint, doch noch dagegen anzukämpfen, im Glauben, daß dessen Richtigkeit selbst nur scheinbar sei, und uns während des Disputierens noch ein Argument, jenes umzustoßen, oder eines, unsre Wahrheit anderweitig zu bestätigen, einfallen werde: hiedurch werden wir zur Unredlichkeit im Disputieren beinahe genötigt, wenigstens leicht verführt. Diesergestalt unterstützen sich wechselseitig die Schwäche unsers Verstandes und die Verkehrtheit unsers Willens. Daraus kommt es, daß wer disputiert, in der Regel nicht für die Wahrheit, sondern für seinen Satz kämpft, wie pro ara et focis, und per fas et nefas verfährt, ja wie gezeigt nicht anders kann.

Jeder also wird in der Regel wollen seine Behauptung durchsetzen, selbst wann sie ihm für den Augenblick falsch oder zweifelhaft scheint. [Fußnote]Machiavelli schreibt dem Fürsten vor, jeden Augenblick der Schwäche seines Nachbarn zu benutzen, um ihn anzugreifen: weil sonst dieser einmal den Augenblick benutzen kann, wo jener schwach ist. Herrschte Treue und Redlichkeit, so wäre es ein andres: weil man sich aber deren nicht zu versehn hat, so darf man sie nicht üben, weil sie schlecht bezahlt wird: – eben so ist es beim Disputieren: gebe ich dem Gegner Recht, sobald er es zu haben scheint, so wird er schwerlich dasselbe tun, wann der Fall sich umkehrt; er wird vielmehr per nefas verfahren: also muß ich's auch. Es ist leicht gesagt, man soll nur der Wahrheit nachgehn ohne Vorliebe für seinen Satz; aber man darf nicht voraussetzen, daß der Andre es tun werde: also darf man's auch nicht. Zudem, wollte ich, sobald es mir scheint, er habe Recht, meinen Satz aufgeben, den ich doch vorher durchdacht habe; so kann es leicht kommen, daß ich, durch einen augenblicklichen Eindruck verleitet, die Wahrheit aufgebe, um den Irrtum anzunehmen.

Die Hilfsmittel hiezu gibt einem jeden seine eigne Schlauheit und Schlechtigkeit einigermaßen an die Hand: dies lehrt die tägliche Erfahrung beim Disputieren; es hat also jeder seine natürliche Dialektik, so wie er seine natürliche Logik hat. Allein jene leitet ihn lange nicht so sicher als diese. Gegen logische Gesetze denken, oder schließen, wird so leicht keiner: falsche Urteile sind häufig, falsche Schlüsse höchst selten. Also Mangel an natürlicher Logik zeigt ein Mensch nicht leicht; hingegen wohl Mangel an natürlicher Dialektik: sie ist eine ungleich ausgeteilte Naturgabe (hierin der Urteilskraft gleich, die sehr ungleich ausgeteilt ist, die Vernunft eigentlich gleich). Denn durch bloß scheinbare Argumentation sich konfundieren, sich refutieren lassen, wo man eigentlich Recht hat, oder das umgekehrte, geschieht oft; und wer als Sieger aus einem Streit geht, verdankt es sehr oft, nicht sowohl der Richtigkeit seiner Urteilskraft bei Aufstellung seines Satzes, als vielmehr der Schlauheit und Gewandtheit, mit der er ihn verteidigte. Angeboren ist hier wie in allen Fällen das beste: jedoch kann Übung und auch Nachdenken über die Wendungen, durch die man den Gegner wirft, oder die er meistens gebraucht, um zu werfen, viel beitragen, in dieser Kunst Meister zu werden. Also wenn auch die Logik wohl keinen eigentlich praktischen Nutzen haben kann: so kann ihn die Dialektik allerdings haben.
[...]
Um die Dialektik rein aufzustellen muß man, unbekümmert um die objektive Wahrheit (welche Sache der Logik ist), sie bloß betrachten als die Kunst, Recht zu behalten, welches freilich um so leichter sein wird, wenn man in der Sache selbst Recht hat. Aber die Dialektik als solche muß bloß lehren, wie man sich gegen Angriffe aller Art, besonders gegen unredliche verteidigt, und eben so wie man selbst angreifen kann, was der Andre behauptet, ohne sich selbst zu widersprechen und überhaupt ohne widerlegt zu werden. Man muß die Auffindung der objektiven Wahrheit rein trennen von der Kunst, seine Sätze als wahr geltend zu machen: jenes ist [Aufgabe] einer ganz andern πραγματεια, es ist das Werk der Urteilskraft, des Nachdenkens, der Erfahrung, und gibt es dazu keine eigne Kunst; das zweite aber ist der Zweck der Dialektik. Man hat sie definiert als die Logik des Scheins: falsch: dann wäre sie bloß brauchbar zur Verteidigung falscher Sätze; allein auch wenn man Recht hat, braucht man Dialektik, es zu verfechten, und muß die unredlichen Kunstgriffe kennen, um ihnen zu begegnen; ja oft selbst welche brauchen, um den Gegner mit gleichen Waffen zu schlagen. Dieserhalb also muß bei der Dialektik die objektive Wahrheit bei Seite gesetzt oder als akzidentell betrachtet werden: und bloß darauf gesehn werden, wie man seine Behauptungen verteidigt und die des Andern umstößt; bei den Regeln hiezu darf man die objektive Wahrheit nicht berücksichtigen, weil meistens unbekannt ist, wo sie liegt: oft weiß man selbst nicht, ob man Recht hat oder nicht, oft glaubt man es und irrt sich, oft glauben es beide Teile: denn veritas est in puteo (εν βυθω η αληθεια, Demokrit); beim Entstehn des Streits glaubt in der Regel jeder die Wahrheit auf seiner Seite zu haben: beim Fortgang werden beide zweifelhaft: das Ende soll eben erst die Wahrheit ausmachen, bestätigen. Also darauf hat sich die Dialektik nicht einzulassen: so wenig wie der Fechtmeister berücksichtigt, wer bei dem Streit, der das Duell herbeiführte, eigentlich Recht hat: treffen und parieren, darauf kommt es an, eben so in der Dialektik: sie ist eine geistige Fechtkunst; nur so rein gefaßt, kann sie als eigne Disziplin aufgestellt werden: denn setzen wir uns zum Zweck die reine objektive Wahrheit, so kommen wir auf bloße Logik zurück; setzen wir hingegen zum Zweck die Durchführung falscher Sätze, so haben wir bloße Sophistik. Und bei beiden würde vorausgesetzt sein, daß wir schon wüßten, was objektiv wahr und falsch ist: das ist aber selten zum voraus gewiß. Der wahre Begriff der Dialektik ist also der aufgestellte: geistige Fechtkunst zum Rechtbehalten im Disputieren, obwohl der Name Eristik passender wäre: am richtigsten wohl Eristische Dialektik: Dialectica eristica. Und sie ist sehr nützlich: man hat sie mit Unrecht in neuern Zeiten vernachlässigt.

Da nun in diesem Sinne die Dialektik bloß eine auf System und Regel zurückgeführte Zusammenfassung und Darstellung jener von der Natur eingegebnen Künste sein soll, deren sich die meisten Menschen bedienen, wenn sie merken, daß im Streit die Wahrheit nicht auf ihrer Seite liegt, um dennoch Recht zu behalten; – so würde es auch dieserhalb sehr zweckwidrig sein, wenn man in der wissenschaftlichen Dialektik auf die objektive Wahrheit und deren Zutageförderung Rücksicht nehmen wollte, da es in jener ursprünglichen und natürlichen Dialektik nicht geschieht, sondern das Ziel bloß das Rechthaben ist. Die wissenschaftliche Dialektik in unserm Sinne hat demnach zur Hauptaufgabe, jene Kunstgriffe der Unredlichkeit im Disputieren aufzustellen und zu analysieren: damit man bei wirklichen Debatten sie gleich erkenne und vernichte. Eben daher muß sie in ihrer Darstellung eingeständlich bloß das Rechthaben, nicht die objektive Wahrheit, zum Endzweck nehmen.

Mir ist nicht bekannt, daß in diesem Sinne etwas geleistet wäre, obwohl ich mich weit und breit umgesehn habe: es ist also ein noch unbebautes Feld. Um zum Zwecke zu kommen, müßte man aus der Erfahrung schöpfen, beachten, wie, bei den im Umgange häufig vorkommenden Debatten, dieser oder jener Kunstgriff von einem und dem andern Teil angewandt wird, sodann die unter andern Formen wiederkehrenden Kunstgriffe auf ihr Allgemeines zurückführen, und so gewisse allgemeine Stratagemata aufstellen, die dann sowohl zum eignen Gebrauch, als zum Vereiteln derselben, wenn der Andre sie braucht, nützlich wären.“


Ich erfasse einige Umstände gesondert:
An erster Stelle steht, dass eine dialoge Form des Disputs stets impliziert, dass durch die äußere Form beide Diskutanten auf ein Niveau gezwungen werden, dass ihrer Natürlichkeit nicht entspricht. Kombiniert mit dem subkognitiven Wettbewerbsgedanken, den Schopenhauer in seiner Gesamtheit brillant erfasst: Ein kontroverser Disput in Dialogform ist per se zum Scheitern verurteilt.

Der Intelligente übt sich mit dem müßigen Freizeitsport der Diskussion, um seinen Verstand für die wahre Aufgabe, den Disput mit großem Geist in der Lektüre, scharf zu halten.
Der dumme betreibt ihn, weil er denkt, die Intelligenten würden sich darum scheren.
Menschen sind empfänglich für Kontroversen und stellen ihre Meinung valide zur Disposition, wenn sie lesen oder einen wirklich guten Redner hören: Hier sind sie im Geiste allein, stehen nur vor sich selbst, es geschehen hier und nur hier die seltenen Momente menschlicher Ehrlichkeit.
Ist er allein mit seinem von ihm erwählten Buch, in der Klausur, in dem privatesten Separée, dem Kokon der Intimität, wie nur der eigene Geist ihn bieten kann, nur dann ist ein Mensch bereit, sich die Blöße zu geben, seinen nackten, beschämten Verstand von fremdem Geist durchstoßen zu lassen, mitzuerleben, wie er unter der Schärfe eines großen Gedankens in sich zusammen sinkt. Nur hier sind wir unbeobachtet, wie wir das tödlich getroffene Wesen vom Boden heben und es neu in feuchte Erde pflanzen und gehässigst den Ort hüten, wo es zögerlich wieder mit seinem Sprossen beginnt. Der eigene Geist ist die letzte und einzig sichere Bastion, die der Mensch kennt. Hier hat von Anfang an gelernt, seine Geheimnisse abzulegen und zu großen Teilen auf ewig vor dem Rest der Welt zu verbergen.

Ich nenne die auf dieser Beobachtung basierende Lösung des Problems obticeotive Dialektik:
Wenn wir der kommunikativen Dialektik eine letzte Chance einräumen wollen, wenn wir ihr von unserem Standpunkt eine Promotion überhaupt gönnen, so kann dies nur auf einem Wege erfolgen. Während Schopenhauer zwar das Problem erkennt, bewegt er sich mit seiner Schlussfolgerung weiterhin auf dem bekanntem und korrumpierten Terrain, zwar den egoistischen, aber nicht den pragmatischen und erst recht nicht den aufgeklärten Standpunkt befriedigend.
Die einzige Lösung kann sein, den Anschein der Interaktion zu verbannen; die Illusion der selben ist sowieso eine lächerliche Kuriosität. Die Praxis lehrt, dass in dem, was wir Diskussion nennen, seit jeher nur bezugsfrei Meinungen aufeinander geworfen werden, wobei einem jeden die Grundlegung und das Konzept der klassischen Dialektik zu nicht mehr als einem Feigenblättchen taugt. Schaffen wir nun dediziert und einvernehmlich diese Illusion ab, so haben wir nicht mehr als unser jämmerliches Mitteilungsbedürfnis zu überwinden, erkaufen aber eine Elevation der Diskussion vom sinnarmen Sport zu der Tätigkeit, die ist, was erstere nur zu sein verhieß. Diese obticeotive Dialektik, man könnte fast sagen: der Monolog für einen Zuhörer, der Diskurs zu einer stillen Seite, verschiebt die Kontroverse in die persönliche Sphäre des Empfangenden, ergießt Luft zum atmen wie flüssiges Licht in den tiefen Raum und macht es endlich wieder möglich, dass man gesprochene Gedanken als Geschenke begreifen kann.
14.12.07 22:44


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Poetischer Ausbruch


In alten Waisen kommt ein Land vor,
wo Gutes über Böses siegt,
wo Rosen über Schwerter wachsen,
doch keiner weiß mehr, wo es liegt.

Ein Wasserfall wird oft besungen
aus diesem Land, so weit entfernt,
vor dessen göttlich schönem Treiben
ein jeder Mensch das Staunen lernt.

Das Wasser, oben emsig störmend,
schnell die Klippe übereilt,
wie tausend brennende Juwelen
alländerlich im Fall verweilt.

Tiefer, tiefer trägt's der Flug und
ein Moment Ewigkeit verrinnt,
derweil hoch oben an der Klippe
des Wunders Lauf erneut beginnt.

Von wilden Pferden ist die Rede,
von Schimmeln, Rappen, edlem Blut,
mit unvergleichlich schönen Augen
und ritterswürdig großem Mut.

Dieser edlen Tiere Feuer
hat manche Sage schon genährt
und ihre herzensgute Treue
der Manne schätzt, das Kind verehrt.

Von sanften Auen wird gesungen,
so unbeschreiblich grün und weit,
mit Laub und Nadel, herrlich duftend,
und Stille, die so viel verzeiht.

Wie oft zog ich durch diese Wälder,
im Traum, allein, mit wildem Schrei?
Tage, Wochen, Jahre, Leben?
Wer weiß, ich war berauschend frei.

Es ist das Land der edlen Prinzen,
stets gütig, mutig, ohne Gram,
die genauso mit dem Schwerte
wie mit der Ros' gefährlich war'n.

Deren Mut ist nicht alleine
sich kühn zu werfen in die Schlacht,
nein, sie erkennen wahre Weisheit,
entscheiden ruhig und mit Bedacht,

um jene glaubend, kämpfend, streitend,
die selber gerade waffenlos,
und über allem steht der Glaube
an Güte, Gnade, Mensch und Trost.

Es ist das Land gesuchter Wunder,
wo Tat noch stets auf Hoffnung folgt,
und dessen ungetrübte Schönheit
den Teufel stets besitzlos scholt.

So weit du läufst nach Osten, Westen,
so weit du läufst nach Nord und Süd,
du wirst dies' Land nicht finden können
solang du nicht weißt, wo es liegt.

Nur einen Kompaß hast du bei dir,
nur eine Karte an der Hand:
Alleine Herz und guter Wille
zeigen den Weg in dieses Land.

Nur wer all die guten Dinge,
die Schönheit dieser Welt begehrt
und selbst versucht, sie wahr zu machen,
verdient, dass er den Pfad erfährt.

Sieh dass du aller Tage wieder
jen' Pfaden nicht den Rücken kehrst,
denn ohne ist dein Leben eines,
wo du nur Schuld und Unglück mehrst.



Unsrem Wasserfall zu Füßen
sitzt einsam die Prinzessin, seht!
Sie ist so schön wie jenes Wunder,
das hinter ihr sich hoch erhebt.

Ihr rotes Haar, es glänzt wie Feuer!
Fühlst du es, mein Herz, es klopft!
Die Augen wie von tausend Sternen
bei deren Blick mein Atem stockt.

Mein tiefes Sehnen, meine Liebe
treibt jeden schlimmen Zweifel fort.
Ich kenn das Land, von dem ich rede,
ich kenn es gut, mein Herz wohnt dort.
19.8.07 17:32


Neujahrsgruß


„Mein Freund, die Vergangenheit ist uns ein Buch mit sieben Siegeln“, so schrieb Goethe in seinem Faust. Eine Metasynthese aus dem ewigen Widerstreit jener, denen die Vergangenheit nichts ist als „ein Eimer voll Asche“ gilt (C. Sandberg) und denen, die in der Kenntnis der Vergangenheit Spross und Spruch der Zukunft sahen und natürlich eine jener Art, wie sie typisch für den Genius Goethes ist, dem Fluss seines Ouvre entnommen, für sich allein von aphoristischer Natur.
Und während die Welt sich weiterdreht, so fährt sie unbeirrt fort, in allen ihren Sphären ebenjene rätselhaften Siegel zu weben und zu wirken.
Wer genau hinhört, der kann den Sphärenklang hören, den noch in Luft liegenden Geruch des eben Gewesenen einatmen, den Einband des siebengesiegelten Buches lesen.
Unsere Sinne sind es, so sieht man, die uns auf den Weg schicken, die Vergangenheit zu verstehen, vielleicht sind sie des ersten Siegel Schlüssel. Die Kohärenz unserer Sinne gebiert das Erleben, das für sich kein freies Gut ist, denn es trägt das Herrschaftssiegel unserer Erkenntnis – wenn man Kant glaubt – und wird uns möglicherweise weniger Aufschluss über den Tanz der Welt, sondern mehr über uns selbst liefern. Doch sei’s drum, wir haben diesen Tanz schließlich mitgetanzt.

Ich will also über meine Erlebnisse im vergangenen Jahr reden, auch um diese Schrift wieder meine Persönlichkeit einzuhauchen, wie sie vom Leser unzweifelhaft darin erwartet wird.

Das Jahr 2006 war für mich ein Jahr großer Unstetigkeit. Es hatte über lange Strecken sehr unangenehme Beigeschmäcker, sei es unsere sich nicht gerade zum Besseren bewandte globale Situation, sei es, dass ein Jahr mehr feiger, deutscher Bürger vergangen ist, die sich nicht ihres Artikel 20,4 des Grundgesetzes bewusst sind - Schiller schrieb zwar: „Wenn der Gedrückte nirgends Recht finden kann, Wenn unerträglich wird die Last, greift er hinauf getrosten Mutes in den Himmel, und holt herunter seine Rechte, die droben hängen unveräußerlich und unzerbrechlich wie die Sterne selbst“, doch Schiller ist und bleibt ein unerträglicher Idealist -, sei es, dass ich selber dafür verantwortlich bin, dass einige Menschen, mich eingeschlossen, nicht glücklich aus dem Jahr gehen konnten.
Sehet nur, dass es das Jahr war, in dem die Hälfte der Deutschen einem Todesurteil – dem von Saddam Hussein – zustimmten, eben jene Hinrichtung auch noch mit einem Kamerahandy mitgeschnitten und im Netz veröffentlicht wurde; ein CDU-Politiker, und sei er nicht gerade ein rhetorischer Könner, aus Amt und Würden fliegt, weil er nicht wusste, dass Wahrheitsäußerung kein politische Gut in der BRD ist und dass die soziale Landschaft hierzulande noch nicht reif ist für die Erkenntnis, dass man die Initiatoren der zum scheitern verurteilten – das wusste schon Helmut Schmidt – und gescheiterten integrativen Multikultur-Politik durchaus „Multikulti-Schwuchteln“ nennen könnte; es ist ein Jahr mehr W. Bush; es ist das Jahr nach den unerwarteten Neuwahlen, das unerträgliche Koalitionsergebnis, dass das vorher schon miserabel funktionierende Konzept der Vermittlungsausschüsse als Generalprinzip der Politik proklamiert, wird den Bürgern langsam klar, und es etabliert sich die Erkenntnis, dass dieses Land die Politiker hat, die das Wahlverhalten der Bürger verdient.

Doch eben jenes Jahr, das global unter einem derart schlechten Stern stand war ebenso ein Jahr voller persönlicher Höhepunkte (die Erkenntnis, dass ich 06 wieder einmal weniger geschafft habe, als ich mir vorgenommen habe, verbuche ich noch nicht einmal negativ; mir ist aufgefallen, dass ich das jedes Jahr aufs Neue feststelle und damit selten alleine stehe):
Das reine, unverklärte Rittersleben in den Sommerferien - einen wunderschönen Urlaub am Ijsselmeer und eine durchaus würdige elternfreie Episode daheim -, eine folgende, großartige Kursfahrt nach Rom, das damit in meiner Gnade zur großartigsten europäischen Großstadt avanciert, drei Monate erste Freundin, ein schickes Halbjahreszeugnis und nun wenige Wochen zweite Freundin, mit der es nun in das neue Jahr geht, sowie eine wirklich wertvolle, in 06 weiter gefestigte Freundschaft zu meinem besten Freund, von denen ich beide hoffe, dass sie 07 überdauern.

Es ist Zeit, den Blick auf morgen zu richten, auf den nächsten Monat, das nächste Jahr.
Für mich wird es ein Jahr der persönlichen Umstürze und Revolutionen werden (obgleich Dávila feststellte, dass Revolten gesellschaftlich und Revolutionen religiös motiviert sind, aber bei einer Jahresprognose von solch hellsichtigem Charakter ist Sophismus nicht unbedingt angebracht), mein Abitur nähert sich unaufhaltsam und ich trage mich mit der tiefen Hoffnung, dass es gut genug für ein Medizinstudium ausfällt. Dieses Ereignis wird den Auseinanderbruch vieler Freundschaften sein, darüber kann auch der schönste Idealismus nicht hinwegtäuschen. Die Zeit greift uns bei den Hammelbeinen uns verstreut uns über Deutschland. Ob ich das nächste Jahr als Mediziner beginne, mit meiner jetzigen, wundervollen Freundin an der Hand, ob es der Familie gut geht und mir selbst, ob ich endlich mit meinen persönlichen, berufsunabhängigen Zielen voran komme, steht in Sternen, die zu weit entfernt sind von dem Boden, auf dem meine Füße wohl stehen, als dass ich sie lesen könnte.
Es bleibt das Wissen, dass es ein Jahr ist, in dem ich mehr als in jedem anderen an einem mir fast unerträglichen, seidenen Faden hänge und ganz dem Spiel der Welt ausgesetzt bin; dass alle Vorsätze nichts nützen, da die Weichen schon gestern gestellt, die Gesänge schon vor Jahren angestimmt wurden und ich jetzt dasitze und nur noch warte, ob die Sphärenklänge meiner eigenen kleinen Welt darin einstimmen.
Ich bitte darum.
7.1.07 23:15


Rezension: Light Grenades von Incubus


Es ist kommt! Es ist da!
Das neue Incubusalbum "Light Grenades" hat endlich den Weg zu mir gefunden.
Es bleibt mir überhaupt schleiherhaft, warum ich tagelang einem Exemplar nachlaufen muss, es würde nicht mehr als recht und billig sein, dass ich einen Goldmaster direkt von Sony BMG bekomme.

Ich sehe mich am Montag hier sitzen, die lang verfolgte Scheibe demütig in den Händen haltend und dann sehnsuchtsvoll meinem Marantz-CD-Player übergeben. Behäbig und königlich wird sie verschluckt und während sich die Welt nur noch um sie dreht, beginnt auch sie sich zu drehen...
Quicksand erhebt sich. Es geht weiter, Sprung um Sprung. Man hat sie nach einer Dreiviertelstunde durchgehört und sitzt allein gelassen und verdattert da und hat im Prinzip überhaupt nicht begriffen, was da gerade durch unseren schönsten Sinn eingeschleust über unsere Kopfhaut gefegt ist.
Ich wartete eine Viertelstunde, trinke einen Tee und drücke dann noch einmal "Play".

Lied für Lied habe ich mir diese Platte erarbeitet. Einges hab ich nicht begriffen. Warum zum Beispiel das Lied "Light Grenades" der Aufmacher und Namensgeber der Platte ist, was das einminütige Gekrüppel vor "Pendulous Threads" soll und im Endeffekt auch was Incubus da überhaupt wieder angestellt hat: Musikalisch sind sie anspruchsvoller und experimenteller geworden und haben das kombiniert mit dem immer wieder auftauchenden Gefühl von .... Popmusik?! Alles klar? Für mich nicht. Das einzige, was ich weiss, ist dass das Resultat großartige musikalische und emotionale Facetten hat. Im einen Moment tut es richtig weh, im nächsten ist es wieder wunderschön. Wenn ich die Artworks im Booklet richtig deute, könnte das Incubus erklärtes Ziel gewesen sein.

Es ist ein schwieriges Album, wahrscheinlich Incubus schwierigstes bis dato. Trotzdem ist es großartig und eine absolute Kaufempfehlung, wahrscheinlich weil es wesendlich tiefer ist, als das meiste, was man sonst kaufen kann.
8.12.06 12:02


Poesie ohne Zukunft


Wenn es einem nicht gut ergeht, ist es einfaches, sich im Schreiben zu verlieren. Meine Feder hatte diesbezüglich in letzter Zeit viel Arbeit.

"Wanderer!
Frisch und frei greif nach Glauben und Feuer,
lass sie dir Schwingen sein
und flieg!

Lass die Sonne dich höher tragen in beschwingtem Lauf
und mit frohem Eifer,
echt, alt und edel

Lang schon bist du zu hoch
derweil dein Herz noch glüht
von hohem Streben und heiliger Gewissheit,
blickst du zurück, so denkst du wohl:
Die Erde sehen und sterben"

Viele andere Gedichte sind in verschiedenen Stadien stehen geblieben und werden vielleicht schon bald hier veröffentlich.
Eigendlich bin ich ja ein Verehrer von passender Metrik und guten Reimen, aber manchmal befindet man sich nicht in der Lage, so etwas zu verfassen und ergießt sich lieber in formlosem Pathos.
8.12.06 11:42


Urlaubserinnerung 11.10.06
-
De verita temporam


Wie lang ich allein zur Ausformulierung der Überschrift gebraucht habe, ist abartig und eine weitere Repräsentation, wie wenig vom glorreichen Schulwissen im Endeffekt haften bleibt. Doch das ist nicht im Entferntesten, womit ich mich umtreibe.

Meine geschätze Familie geruhte, die letzte Woche der Herbstferien auf eine Reise nach Österreich zu verwenden.
Hier sitze ich nun mit dem sporadischen Zugang zum Internet über ein Terminal an der Rezeption und las gerade meine E-Mails. Viel Neues ward mir nicht gewahr:
Ein paar Menschen mehr hassen mich. Also eigentlich Nachrichten, die mich nicht aus der Ruhe zu bringen im Stande sind.
Nun traf es sich leider ungünstig, dass eine schwiegermütterlicher Umstand dafür sorgte, dass meine Laune zu just dem Moment, als ich diese Mails las, ihren absoluten Tiefpunkt erreicht hatte. Diese war die ganze Woche über schon durch den konsequenten Einsatz kleiner und größerer Ärgernisse von Seiten meiner Eltern gesunken, mir wurde Tage lang die von mir herbeibeschworene Ruhe, das heilige Nichtstun, die Muße genommen, die das erklärte Ziel dieses meines Urlaubs in dem abgelegensten aller Dörflichkeiten - von mir gesondert für die Entspannung ausgesucht - durch den unerträglichen Aktionismus meiner Erzeuger genommen.
Und so sitze ich nun da und fange an, eine Antwort zu schreiben. Eine Antwort auf per se treuherzige und offene Zeilen; nicht nur dass ich nicht mit einem ernsthaften Wort erwähnte, dass ich mich dieser Offenheit gegenüber glücklich schätzen sollte, nein, ich schrieb mich immer mehr in jene Depression hinein, die mich ereilt, wenn ich wiedereinmal die Feder mit zu viel Selbsterkenntnis schwinge.
Einen Wimpernschlag später liege ich mit einem vor Unglück überlaufenden Herz neben meiner Herzdame und suche in ihren Armen, ob da nicht irgendwo Glück wäre.
Die tiefere Zynik lässt mich wissen, es ist gerade der böse Witz an diesen Depressionen, dass ihre verderbliche Berührung jeden Glücksmoment zu korumpieren weiss. Und so liege ich da und ich gedenke, warum ich für jeden einzelnen Menschen nur Verachtung überig habe, mich im Besonderen eingeschlossen.
Was bleibt von dem Glanz des Selbsthasses, der Selbstzerstörung?
Im Zweifel bleibt das beklemmende Gefühl, dass die Stille nach Jeff Buckleys "Halleluja" in der Magengegend zurücklässt und einem sagt, dass man sich alle Mühe gibt, in der auf Verdrängung gegründeten Naivität ein Luftschloss nach dem anderen zu bauen, auf dessen Tor in blutroten Lettern "Optimismus" steht, um dann alle paar guten Tagen von dem eigenen Intellekt verwüstet zu werden. Weil man selbst derjenige war, der nach dem Liedende den Stopp-Knopf gedrückt hat. Weil man selbst derjenige ist, der aus einer widerwärtigen Neigung heraus im Selbstmitleid ertrinken will. Und weil man weiss, dass Selbstmitleid kein Medium ist, in dem man ertrinken kann. Darf.
Da sitzt er und überlegt, ob die Anfügung zu pathetisch herüber kommt. Da sitzt er und schreibt und schreibt und wünscht sich, dass sich mit Muse' "Muscle Museum" das Selbstmitleid wenigstens zum Selbsthass steigert, der sich dann anständig zu dem anderen Selbsthass gesellen kann und dort seine Existenz als Abteilung für Zynismus fristen kann. Er wünscht sich, dass er mit der tiefen Befriedigung, sich selbst eine schmerzhafte Wunde zugefügt zu haben, den Laptop wegstellen kann.

Aber er darf nicht. Er muss sich noch schnell ein paar Gedanken von der Seele schaffen. Tatsächlich, wie ich das so schreibe, so ist es mir egal, ob es im Endeffekt auch nur ein amorpher Gedankenklumpen wird, hauptsache die Gedanken sind irgendwie in ein beständiges Medium als dem eigenen Gedächtnis gebannt, sodass ich sie später wieder aufnehmen und neu reflektieren kann.
Zuersteinmal sind da diese Gedanken, wie vorbestimmt mein Leben jetzt schon durch mein Verhalten ist. Ich weiss, dass mich fast jeder, der mich neu trifft seltsam findet oder hasst. Liegt an meiner exzentrischen Art, den arroganten Gedanken der eigenen Unfehlbarkeit - ein Familienerbstück -, Zynismus und einen teilweise überraschend verträglichen Intellekt zu kombinieren. Da ist der Hass auf alle Menschen. Diese Menschen, die erzählen, dass sie Meister in irgendwas geworden sind, die ihre Weibergeschichten an die große Glocke hängen, damit alle an ihren Lippen hängen. Oder sei es nur, dass sie irgendwie Macht auf andere ausüben. Sei es, dass sie andere diskreditieren, um selber besser dazustehen, vor sich und anderen. Und alle miteinander tuen es nur, um sich selber geil zu finden.
Und dann ist da diese Verachtung für mich selbst, wenn ich mich bei dem Ansatz von so etwas selbst ertappe.
Das wirklich erschreckende ist aber, dass ich diese ganze Produktion vor anderen gar nicht brauche. Im negativen Sinn. Denn ich bin ein derartiger Narziss, dass ich mir selbst ausreiche, um mich geil zu finden. Ich sehe einfach jemanden an, einen Idioten, finde mich geil. Ich denke einen sublimen Gedanken, schreibe Zeilen, von denen ich in dem Moment glaube, dass sie groß sind und finde mich geil. Ich sehe ein einziges Lächeln und kann mich schon geiler finden, als ein Mensch, der dem ihm zu Füßen liegenden Publikum mit stolz geschwollener Brust erzählt, er sei deutscher Meister in irgendwas. Darauf folgt die Stufe, dass ich mich nocheinmal geiler finde, weil ich die ganzen Menschen, die ich verachte, nicht brauche, um mich geil zu finden und sie verachte, weil sie das nicht können. Final kommt dann nur immer der Absturz, dass ich mich total geil finde und so viel verpasse, dass ich jetzt schon weiss, dass ich einmal kurz vor meine Tod stehe und sage, dass ich so viel nicht erlebt habe. Ich weiss es jetzt schon. Ich weiss es, dass ich mich bedauern werde, dass ich die Gesellschaft nicht mitgenommen, sondern aus Prinzipienreiterei und Arroganz nicht mitgenommen habe, dass ich mich lieber auf meine Art verwirklicht habe. Wahrscheinlich werde ich erst prämortal erkennen, wie hohl der Berg ist, auf dem ich stehe, dieser Mont Moralis. Aber sei's drum.

Wie einfach es für eine Gemütsregung ist, einen von den Beinen zu holen. Einen dazu zu bringen, an der sich eigenen Beziehung, Fähigkeiten, Ruf und sogar der Reputation vor sich selbst zu zweifeln und damit die ganze Welt in ein fahles Licht zu tauchen. Wie gesagt, eine tödliche Berührung. Blick der Medusa für Fortgeschrittene.
Und dass die schreibende Feder und die fast sphärischen Klänge wahrer Musik der Feind dieser und in der Lage ist, mich wieder zu holen, meinem toten Fleisch das Leben wiederzugeben...
21.10.06 19:14


Es soll wohl eine Weltstadt sein


Was dem geneigten Leser dieser Titel sagen soll, ist wohl die erste Frage, die sich dieser bei der Lektüre der Überschrift stellt.
Er muss sich aber noch ein Weilchen gedulden, es gibt viel nachzuholen.

Zuerst einmal muss ich bekennen, dass ich kaum mehr zum Schreiben komme. Zwei mal schon saß ich an genau dieser Stelle und konnte nicht einmal mehr beginnen, da wieder jemand den mir beschiedenen bescheidenen Flug der Musen störte.
Es mag mitunter an Folgendem liegen.

Ich muss beim letzten mal vergessen haben, dass mir ein Chevalierstück sondergleich geglückt ist: Ich habe die Dame K. zur Meinigen gemacht - und das obgleich sie bereits versprochen war. Trotz der gerümpften Nasen, die ich tagtäglich darum sehe, so können sie auch ihren Neid vor meinen Augen nicht verbergen. Er blitzt in ihren Augen umso heller, je mehr sie versuchen, ihn zu verbergen. Mich dagegen durchflutet Tag um Tag das Glück des frisch verliebten und ich stelle mit Erstaunen fest, dass mein zweifelsohne verdorbenes Herz zu etwas derart reinem in der Lage ist.
Dies aber nur am Rande.

Nichts verschafft mir größere Kurzweil, als die kleinen Dinge des Lebens zu beobachten und darüber zu reflektieren. Ich betrachte die Fähigkeit, daraus Genugtuung zu schöpfen, als große Gabe, denn es ist eine Fähigkeit, der man ob ihrer Wichtigkeit für den intelligenten Geist große Bedeutung zumessen muss; wer den Blick für die Dinge des Lebens bei aller Philosophie im wörtlichen Sinne verliert, der hat auch seinen Bezug für diese verloren.

Was mir gerade vor kurzem auffiel, sind die kleinen, verborgenen aber äußerst lächerlichen Wettkämpfchen im Leben. Ein Beispiel wäre die Situation, wenn zwei Menschen nebenander Zähne putzen. Es wird geputzt und geputzt, in der Erwartung, dass man selbst der letzte ist, sodass man als der Sauberere gilt. Zumindest stelle ich mir so den Vorgang in den Köpfen dieser Menschen vor; ein anderer Grund wollte mir partout nicht einfallen.
Es mag vielleicht wie eine Lappalie erscheinen, aber kann man von dieser Verhaltensweise nicht grundlegendes über die menschliche Natur abstrahieren?
Ich wage nicht, die Antwort darauf zu geben.

Es bleibt noch zu erwähnen, dass mich meine Wege im Zuge einer so genannten "Studienfahrt" in der nächsten Woche nach Rom führen werden. Eine großartige Idee auf mehrerlei Art:
Erstens ist rein formal Hochsommer, auch wenn es das Wetter hier kaum vermuten ließe, und damit ist Rom sicher eine ausgezeichnete Wahl - ich glaube erwähnt zu haben, dass ich große Hitze nicht im Geringsten leiden kann.
Zweitens ist es geradezu genial, eine Oberprima auf eine Fahrt zu schicken, sie in seperaten Bungalows wohnen zu lassen und dann zu glauben, es würde dabei irgendetwas nützliches heraus kommen und es deshalb "Studienfahrt" zu taufen.
Dennoch, ich bin zumindest auf die vatikanischen Museen gespannt; jene sind ein Teil der Weltkultur, die ich um keinen Preis verpassen möchte.

Abschließend bleibt zu sagen, dass mir mein Philosophiekurs jede Menge Gedankenansätze liefert und mir somit kaum langweilig werden kann.
Überigens ist das Sein als solches kein vom Menschen idealisierbarer Prozess. Prost, Herr Platon!
25.8.06 19:33


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